Wermut

Der Wermut – auf Lateinisch „artemisia absinthium“ – ist ein stark duftendes und bitter schmeckendes ausdauerndes Küchenkraut, das schon seit den frühen Klostergärten in Europa als Kulturpflanze bekannt ist. Aus den Klostergärten stammt auch seine heute beliebteste Verwendungsform im so genannten Absinth, einer grünlichen, stark aromatischen Likör-Art, die gern als Aperitif oder Digestiv getrunken wird. Ursprünglich sollte der aus der traditionellen Klostermedizin stammende Absinth-Trunk die Verdauung fördern, was aufgrund seiner medizinischen Inhaltsstoffe wie Salzen und Alkaloiden tatsächlich möglich ist, doch der Konsum des grünen Getränks verlief bald in anderen Kreisen. Der Absinth war bereits im 19. Jahrhundert ein Modegetränk von Dichtern und Künstlern wie Charles Baudelaire, die ihn als Visionen und Inspirationen erzeugende „grüne Göttin“ feierten, doch man hat zeitweise den Genuss des Mittels gesetzlich untersagt und Ausschankstellen konfisziert, weil man bei den Abkochungen aus Wermut eine zu starke Nervenreizung oder Halluzinationen als Nebenwirkung beobachtete. Tatsächlich ist der heute im Handel übliche Absinth unbedenklich und keine Gefahr mehr für die menschliche Gesundheit, solange er besonnen und natürlich in geringer Dosis konsumiert wird. In Frankreich flambiert man hierzu meist einen Zuckerwürfel auf einem ziselierten Löffel und lässt den aufgelösten Zucker dann kunstvoll in ein Glas mit Absinth gleiten. Diese verfeinerte Praxis des Absinth-Genusses ist zugleich eine Kultur des Alltags, als auch ein Geschmackserlebnis für Kenner. In der volkstümlichen Magie gilt das Wermutkraut als ein Mittel, um schlechte Stimmungen zu vertreiben oder auch, um einen Liebhaber anzuziehen. Unverheiratete Frauen oder unfreiwillige Singles sollten Wermutblätter unter dem Bett verstreuen, um bald einen Partner ins Leben zu ziehen. Dann könnte man ja auch gleich gemeinsam ein Gläschen Absinth trinken, das zudem auch noch im Ruf steht, ein hervorragendes Aphrodisiakum zu sein…

 


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