Fakir

Ein Fakir ist ein Magier der indischen Tradition. Der Name bedeutet eigentlich wörtlich übersetzt „ein Armer“. Fakire sind bei Indien-Touristen sehr beliebt, da ihre Praktiken meist öffentlich zur Schau gestellt werden und ein schaulustiges Publikum anziehen. Meist handelt es sich um Techniken der Körperbeherrschung wie das „Feuerlaufen“ (Wandeln mit nackten Füßen über glühende Kohlen) oder das Sitzen oder Liegen auf einem mit gefährlichen Nägeln besteckten Nagelbrett. Manchmal führen Fakire auch Zaubertricks auf, wie das Schlangenbeschwören, wobei eine Kobra auf das Geheiß des Fakirs nach der Melodie seiner Flöte tanzt. Manche Fakire beweisen auch außergewöhnliche Selbstbeherrschung, indem sie sich große Schmerzen zufügen lassen, ohne das Gesicht zu verziehen oder irgendeine Äußerung des Wehklagens von sich zu geben. So gibt es Fakire, die sich die Brust oder die Wangen mit glühenden Spießen durchlöchern oder sich lebendig begraben lassen und ähnliches.
Man hat die Praxis der Fakire deshalb im Westen auch oft mit den sogenannte Märtyrern der christlichen Tradition verglichen, die sich manchmal selbst Schmerzen zufügten, um Jesus Christus auf seinem Leidensweg ähnlicher zu werden. In der Fakir-Tradition geht es jedoch nicht um ein Nachahmen eines religiösen Führers – auch nicht Buddhas – und auch nicht um Selbstbeherrschung als ein letztes Ziel. Fakir-Leistungen sind eigentlich nur eine Veranschaulichung von seelischen Fähigkeiten. Der berühmte Trick der Schlange, die nach einer Melodie tanzt, soll eine Veranschaulichung der Kundalini sein (siehe auch: Kundalini), jener Sagen umwobenen Schlangenkraft, die in der Wirbelsäule des Menschen wohnt und durch Meditation Hinaufgezogen“ werden kann. So und ähnlich muss man alle Fakir-Leistungen als materielles und körperliches Gleichnis von eigentlich seelischen Prozessen ansehen, die aus dem Kultus und Ritus stammen und eine magisch-mystische Bedeutung haben.


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